Probefahrt: Zero SR – ein Elektro-Motorrad

Als ich kürzlich mal wieder in der Schweiz war, ergab sich mir spontan die Gelegenheit einer Probefahrt der Zero SR[1].

Elektro-Motorräder gibt es noch nicht viele, aber dennoch habe ich schon lange das Interesse eMobility auf zwei Rädern auszuprobieren.

Zero SR
Zero SR

So hat der Triumph-Händler in Alpnach[2] eben nicht nur Triumph-Motorräder stehen, sondern auch ein paar Zero-Modelle.
Nach Interessensbekundung konnte ich also einen Tag später für eine knappe Stunde das Zero Topmodelle SR ausprobieren.

Optisch ist die Zero SR ein klassisches Naked Bike. Auf den ersten Blick würde man sie für eine 125er halten. Das Antriebssystem des 2015er Modell hat eine Leistungsfähigkeit von maximal 12,5kWh, eine maximale Leistung von knapp 67PS und ein Drehmoment von 144Nm. Letzteres, wie bei Elektromotoren üblich, im Grunde konstant bei jeder Drehzahl. Das alles bei einem Fahrzeuggewicht von 188kg.

Das Kombiinstrument zeigt neben der Geschwindigkeit unter anderem auch die aktuelle Leistungsabgabe und das Drehmoment an. Beim Bremsen rekuperiert das Motorrad und auch das wird entsprechend dargestellt. Der aktuelle Fahrmodus wird dauerhaft angezeigt. Neben Eco und Sport gibt es noch Custom, welcher sich per Smartphone und einer Bluetooth-Verbindung individuell einstellen lässt. Die Akkutemperatur, Tageskilometer oder geschätzte Reichweite lassen sich ebenfalls anzeigen.

Zero SR - Kombiinstrument
Zero SR – Kombiinstrument
Zero SR
Zero SR

Die nackten Zahlen auf dem Papier geben jedoch in keinster Weise das Fahrgefühl wieder. Wenn man das erste Mal zaghaft am Gasgri … ähm … Drehgriff dreht, merkt man sofort, dass die Zero SR ganz anders ist, als übliche Motorräder mit Verbrennungsmotor. Die volle Leistung liegt sofort an. Selbst im Eco-Modus, einer der 3-Fahrmodi, drückt das Gefährt schon ordentlich nach vorn. Wählt man nach einer kurzen Eingewöhnung den Sportmodus, muss man sich ordentlich festhalten beim Beschleunigen.

Zero SR - 12,5 - Der Akku
Zero SR – 12,5 – Der Akku
Zero SR - Der Elektromotor mit Riemenantrieb
Zero SR – Der Elektromotor mit Riemenantrieb
Zero SR - kleines Staufach
Zero SR – kleines Staufach
Zero SR - der Ladeanschluss
Zero SR – der Ladeanschluss

Von 0 auf 100km/h in 3,3s sind nicht ohne und sorgen für sehr lange Arme. Das Dauergrinsen bekommt man während der Fahrt dann nur schwer weg und es wird bei jedem Beschleunigungsvorgang nur noch größer.

Im Stand lässt sich das schmale Fahrzeug kinderleicht manövrieren und fühlt sich deutlich leichter an, als die angegebenen 188kg. Das erstaunte mich, wo doch die Zero SR damit zwar leichter als meine SevenFifty, aber über 40kg schwerer als meine DR650R ist, welche sich nicht ganz so leicht bewegen lässt.
Gerade im engen Stadtverkehr ist das natürlich ein großer Vorteil.

Die Tatsache, dass man fast nichts vom Motor hört, mag für Klangfetischisten sicher nichts sein und ja, ich mag auch das Bollern meiner Enduro, aber gerade am frühen Morgen, kann man mit der Zero SR flott unterwegs sein, ohne die Leute zu wecken. Fährt man gar über Land, bietet sich einem die Gelegenheit den Tieren zu lauschen, sofern die Windgeräusche am Helm es nicht übertönen. 😉

Zero SR - in den schweizer Alpen
Zero SR – in den schweizer Alpen
Zero SR
Zero SR
Zero SR
Zero SR

Die Reichweitenschätzung im Kombiinstrument betrachtet nur die letzten 2 gefahrenen Minuten, daher springt die Anzeige je nach Fahrweise oft hin und her, hier sollte man mehr die Ladestandsanzeige im Auge behalten.
Was man ebenfalls immer beobachten sollte, ist der Tacho. Denn man hat kaum ein Gefühl wie schnell man unterwegs ist. Während beim Verbrenner mit Mehrganggetriebe man genug Rückmeldung durch Vibrationen des Fahrzeugs bekommt, ist das beim Elektroantrieb völlig anders. Vermutlich gewöhnt man sich irgendwan daran, aber zumindest bei der kurzen Tour musste ich öfter raufschauen.

Zero gibt eine maximale Reichweite von etwa 243km bei Stadtverkehr an, bei einer Autobahnfahrt mit konstant 113km/h sind es nur noch 124km. Damit ist die Zero SR kein Tourenfahrzeug, aber bei einer möglichen Zuladung von nur 164kg und einer Ladezeit von 2-8 Stunden, je nach Ladegerät, erwartet man das natürlich auch nicht.

Dennoch hat mir die leider zu kurze Probefahrt aber einerseits gezeigt, was aktuell technisch möglich ist und dass das derzeitige Konzept ein perfektes Fahrzeug für die Stadt wäre. Die tägliche Fahrt zur Arbeit oder auch mal ein kurzer Tagesausflug wären möglich.

Die geschätzten Kosten pro Ladung belaufen sich auf gut 2,60€, setzt man die der ungefähren Reichweite von 200km gegenüber, spart man gegenüber einem modernen Verbrenner immer noch jede Menge Geld pro Kilometer. Hinzu kommt, dass keine Motorölwechsel oder Ventileinstellungen nötig sind. In erster Linie muss man sich eigentlich nur noch um die Bremsen und Reifen kümmern.

Nun aber genug geschrieben, ein Video von der Testfahrt habe ich auch noch für euch:

Minute 5:12 musste ich kurz voll auf den Anker gehen, das ABS arbeitete vorzüglich
Minute 11:39 etwas flottere Beschleunigung von 55 bis 118km/h, nicht ganz aufgemacht

Strecke

Elevation Profile

Wie seht ihr die Sache mit den eMoppeds? Schon mal ausprobiert, auch Interesse daran oder fehlt euch etwas an den Geräten?

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5 Kommentare für “Probefahrt: Zero SR – ein Elektro-Motorrad

  1. Schöner Beitrag, schön wäre der Preis des bike zu wissen.
    Generell bin ich offen gegenüber Elektro Bikes. Wenn auch die Reichweite noch größer oder die nachladezeit geringer werden muss. Dann kann man ein Happen essen und das Gefährt laden

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  2. @Sascha Wieschnat: der UVP von Zero laut Website ist irgendwo bei 18k€, beim Händler hätte ich die Zero für 12k Franken (11k€) mitnehmen können.
    Noch kein Schnäppchen, aber da machts irgendwann auch die Masse, wenn die Nachfrage da ist.

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  3. Ein Nachtrag, beim “Gebrauchtpreis” des 2015er Vorführers habe ich mich leider vertan, das waren knapp 16000 Franken, wie mir der Händler mitteilte.

    Aber auf dem regulären Gebrauchtmarkt bekommt man die 2014er SR 11.4 schon für unter 12k€.

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